100 LS – Bestandsaufnahme

Motor, Bremsen, Elektrik

26.04.2025

Dann kam einer dieser Augenblicke, die man nicht vergisst: Nach acht Jahren Standzeit bekam der Motor frisches Öl und neuen Sprit aus dem selbstgebauten Testtank – und lief. Einfach so. Nicht schön, nicht perfekt, nicht ganz sauber. Aber er lief. Und auf einmal war alles anders. Denn solange ein Auto nur herumsteht, ist es ein Vorhaben. In dem Moment, in dem der Motor anspringt, wird daraus wieder etwas Lebendiges. Eine kleine Runde war sogar direkt drin, auch wenn die hängenden Bremsen sofort klargemacht haben, dass der Weg noch lang wird. Aber das war egal. Das Wichtigste war in diesem Moment schon passiert.

Es war also einer dieser seltenen Momente, in denen man noch nicht weiß, wie viel Arbeit vor einem liegt, aber zum ersten Mal ernsthaft daran glaubt, dass es funktionieren könnte.

27.04.2025

Natürlich blieb es nicht bei diesem einen Triumph. Die Bremsen machten sofort Arbeit: nasse, brüchige Beläge, klemmende Zylinder, dazu wieder die Erkenntnis, dass alte Technik zwar oft simpel wirkt, aber einem trotzdem genug Gründe zum Fluchen geben kann. Gleichzeitig sind es genau diese Details, die so ein Auto interessant machen. Hinten sitzen die Radlager mit in den Trommeln, vorne die Bremsscheiben direkt am Getriebe – nichts daran ist beliebig. Und während ich schraube, wächst immer mehr dieses Gefühl, dass man hier nicht einfach Teile tauscht, sondern sich nach und nach in die Denkweise eines alten Autos hineinarbeitet.

Lichtmaschine

01.05.2025

Zwischendurch meldete sich noch die Lichtmaschine. Ein kurzer Satz eines Kollegen – „deine Lichtmaschine wackelt“ – und schon war die nächste Baustelle da. Was dort einmal Gummibuchsen gewesen sein sollte, war im Grunde nur noch ein Rest improvisierter Vergangenheit. Also habe ich zerlegt, angeschaut, überlegt, gebaut. Aus Material, das eben da war. Nicht elegant, nicht katalogschön, aber ehrlich. Und genau das mag ich an solchen Arbeiten: Dieses stille Improvisieren, wenn aus ein bisschen Restmaterial und Geduld plötzlich wieder eine funktionierende Lösung wird. Danach saß die Lima wieder fest. Solche kleinen Siege tragen ein Projekt oft mehr als die großen Meilensteine.

03.05.2025

Richtig aufschlussreich wurde es dann noch einmal bei der Bremsanlage vorn. Neue Beläge waren schnell drin, aber beim Entlüften tat sich: nichts. Erst nach einigem Probieren war klar, dass ein Bremsschlauch dicht war, vermutlich innen aufgequollen. Selbst mit Druckluft ging nichts mehr durch. Kaum war die Verschraubung gelöst, rollte der Audi sofort frei. So etwas ist im ersten Moment frustrierend, aber es ist auch eine Erleichterung. Denn nichts ist schlimmer als ein Fehler, den man nicht greifen kann. Der neue Schlauch kam ein paar tage später aus USA, wurde eingebaut – und auf einmal bremste und rollte der Wagen wieder so, wie er sollte. Ab da hatte ich auch eine ziemlich konkrete Ahnung, warum der Audi damals wohl verkauft wurde.

09.05.2025

Mit jeder kleinen Ausfahrt wächst bei einem solchen Projekt das Vertrauen. Eine vorsichtige Runde um den Block, Warnblinker an, ein paar Funktionstests – mehr brauchte es zunächst nicht. Das Ergebnis war dennoch klar: Der Audi fährt, bremst und rollt. Nur das jaulende Ausrücklager der Kupplung meldete schon an, dass die To-do-Liste noch lange nicht abgearbeitet ist. Aber das gehört dazu. Alte Autos führen keine stillen Beziehungen; sie sagen einem sehr direkt, was sie als Nächstes brauchen.

Vergaser

Besonders liebe ich diese absurden Zufallsfunde, die einen mehr über ein Auto lehren als jede Checkliste. Der viel zu hohe Leerlauf war so ein Fall. Warm lief der Motor mit rund 2.000 Umdrehungen, also deutlich zu hoch. Ich hatte mich schon in Einstellarbeiten am Vergaser hineingedacht, als ich eher zufällig bemerkte, dass sich beim leichten Druck auf den Luftfilter das Gasgestänge mitbewegte. Am Ende war es tatsächlich die Schlauchschelle der Ventildeckelentlüftung, die auf die Mechanik drückte. Einmal gedreht, ein bisschen nachjustiert – und schon lief der Motor sauber im Leerlauf. Für Außenstehende ist das eine Kleinigkeit. Für mich sind das die Momente, die aus Schrauben eine Geschichte machen.

Karosserie

Was mich aber fast noch mehr gefreut hat als das Laufen des Motors, war der Blick unter das Blech. Stoßstange ab, Grill raus, Lampen raus, Kotflügel runter, Frontscheibe raus – und darunter kam eine Substanz zum Vorschein, die mich wirklich überrascht hat. Natürlich gibt es Arbeit: ein Bereich an der A-Säule, die Flügelspitze, der Schweller auf der Beifahrerseite. Aber insgesamt ist der Zustand nach über fünf Jahrzehnten erstaunlich gut. Der Scheibenrahmen ist beinahe wie neu. In solchen Momenten wird aus Hoffnung echte Zuneigung. Dann schraubt man nicht mehr nur, weil man angefangen hat – sondern weil man dem Auto plötzlich wirklich gerecht werden will.

Hier geht es weiter:

Restauration