Karl-Heinz – mein Audi 100 LS
Ein früher Audi 100 mit dokumentierter Geschichte und einer besonderen Originalausstattung
Karl-Heinz ist ein Audi 100 LS der ersten Generation C1, Baujahr 1970. Mit seiner eleganten Karosserie und seiner schwarzen Vollskai-Innenausstattung verkörpert er die Anfangszeit des Audi 100.
Seine Geschichte lässt sich über mehr als fünf Jahrzehnte anhand originaler Fahrzeugbriefe, TÜV-Berichte und weiterer historischer Dokumente zurückverfolgen.
Besonders interessant ist seine originale Auslieferungskombination: Silbermetallic mit schwarzer Vollskai-Innenausstattung.
Der Audi 100 LS – die Sport-Komfortklasse
Mit der Vorstellung des Audi 100 im Jahr 1968 begann für Audi ein neues Kapitel. Die großzügig geschnittene Limousine verband eine elegante, sachliche Formensprache mit moderner Technik und einem hohen Reisekomfort.
Der Audi 100 LS war damals die gehobene und leistungsstärkere Variante der Baureihe. Sein 1.760 cm³ großer Vierzylindermotor leistete 100 PS und ermöglichte laut Werksangabe eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h.
Ein vollsynchronisiertes Vierganggetriebe, Frontantrieb und die komfortorientierte Ausstattung machten den LS zu einer modernen Reiselimousine.
Audi selbst bezeichnete den Wagen in seinen frühen Verkaufsunterlagen als Automobil der „Sport-Komfortklasse“.


Silbermetallic L96D und Vollskai schwarz
Karl-Heinz wurde in Silbermetallic mit dem Audi-Lackcode L96D ausgeliefert.
Zusammen mit den Chromdetails, den ovalen, leicht trapezförmigen Scheinwerfern ergibt sich das charakteristische Erscheinungsbild der ersten Audi-100-Generation.
Eine Besonderheit befindet sich im Innenraum: Karl-Heinz besitzt eine sehr seltene schwarze Vollskai-Ausstattung.
Während viele Audi 100 S und LS mit einer Kombination aus Cord-Velours und Skai ausgestattet waren, konnten Käufer gegen Aufpreis auch eine vollständige Skai-Polsterung bestellen.
Gerade diese Ausführung ist bei heute erhaltenen Fahrzeugen nicht häufig zu sehen. Auch bei meiner Suche nach anderen frühen Audi 100 habe ich bisher kein vergleichbares Fahrzeug gefunden.
Die Bestätigung durch Audi Tradition:
Um Klarheit über seine ursprüngliche Ausstattung zu erhalten, habe ich mich an Audi Tradition gewandt.
Nach einer Recherche im Unternehmensarchiv erhielt ich die Bestätigung, dass Karl-Heinz mit seiner Fahrzeug-Identifizierungsnummer tatsächlich in Silbermetallic, Lackcode L96D, und mit schwarzer Vollskai-Innenausstattung ausgeliefert wurde.
Damit ist die originale Ausstattung meines Audi nicht nur aufgrund seines heutigen Erscheinungsbildes anzunehmen, sondern durch das historische Unternehmensarchiv bestätigt.
Die Originalunterlagen von 1968
Zusätzlich zur Auskunft von Audi Tradition konnte ich historische Verkaufsunterlagen aus der Anfangszeit des Audi 100 beschaffen.
Besonders interessant ist die originale Audi 100 Programm-Information vom Oktober 1968. Darin beschreibt Audi die Vollskai-Polsterung ausdrücklich als lieferbare Sonderausstattung.
Auch die zeitgenössische Preisliste und die originale Farb- und Polsterkarte liegen vor.
Die Farbkarte zeigt, welche Innenausstattungen mit den verschiedenen Außenfarben kombiniert werden konnten. Für den Audi 100 S und Audi 100 LS in Metallic-silber waren unter anderem die Vollskai-Ausführungen 34, 36 und 37 vorgesehen.
Das schwarze Polstermuster mit der Nummer 36 entspricht dem Erscheinungsbild der schwarzen Ausstattung von Karl-Heinz.
Zusammen mit der fahrzeugbezogenen Bestätigung von Audi Tradition haben wir damit sowohl die damalige Bestellbarkeit als auch die tatsächliche Auslieferung seiner besonderen Ausstattung dokumentiert.


Seit Mai 1970 auf deutschen Straßen
Die Geschichte von Karl-Heinz beginnt im Mai 1970. Seine Erstzulassung erfolgte mit dem Kennzeichen GG-CZ 41.
Dank der vollständig erhaltenen historischen Fahrzeugbriefe lässt sich seine Haltergeschichte bis zu seiner Wiederzulassung nachvollziehen.
Im März 1986 wechselte Karl-Heinz zu seinem zweiten dokumentierten Besitzer und erhielt das Kennzeichen FB-DE 87.
In den folgenden Jahren wechselten sich Stilllegungen und Wiederinbetriebnahmen mehrfach ab. 1987 wurde der Wagen erstmals vorübergehend stillgelegt, 1988 wieder zugelassen und anschließend erneut abgemeldet.
1996 erfolgte eine weitere Wiederinbetriebnahme, eine Hauptuntersuchung und die Ausstellung eines neuen Fahrzeugbriefs.
Die alten Fahrzeugunterlagen blieben glücklicherweise erhalten. Dadurch ist die Geschichte des Wagens auch über die verschiedenen Zulassungsperioden hinweg nachvollziehbar.
Das H-Gutachten im September 2001
Karl-Heinz erhielt sein H-Gutachten nach dem damals geltenden § 21c StVZO. Die entsprechende Änderung wurde auch in seinen Fahrzeugbrief eingetragen.
Damit war seine Anerkennung als historisches Fahrzeug dokumentiert.
Auch aus den folgenden Jahren sind zahlreiche Hauptuntersuchungsberichte erhalten, die weitere Stationen seiner Geschichte belegen.
Im März 2014 wurde Karl-Heinz auf seinen dritten dokumentierten Besitzer umgemeldet und erhielt das Kennzeichen MY-F 103.
Im März 2017 wurde er schließlich erneut stillgelegt.
Es sollten acht Jahre vergehen, bis ich ihn übernahm und seine Rückkehr auf die Straße vorbereitete.
Ein besonderes Dokument von 1972: Die Auflastung
Unter den erhaltenen Fahrzeugunterlagen von Karl-Heinz befindet sich ein Schreiben von Audi aus dem Jahr 1972, mit dem die Erhöhung der gebremsten Anhängelast von ursprünglich 965 kg auf 1.100 kg freigegeben wurde.
Die Auflastung wurde im Rahmen einer späteren Wiederzulassung offiziell in die Fahrzeugpapiere eingetragen.
Damit ist auch diese technische Änderung durch die originale Herstellerfreigabe und den entsprechenden Eintrag nach 55 Jahren im Fahrzeugschein dokumentiert.

2025: Karl-Heinz kommt zu mir
Im April 2025 begann für Karl-Heinz ein neues Kapitel.
Ich übernahm den Audi als vierter dokumentierter Besitzer und transportierte ihn zu mir. Nach seiner langen Standzeit sollte der Wagen nicht nur restauriert, sondern wieder zuverlässig auf die Straße zurückkehren.
Zu den ersten Arbeiten gehörten die Reaktivierung des Motors, ein Ölwechsel und die Überholung der Bremsanlage.
Im Frühjahr 2026 folgten umfangreichere Karosseriearbeiten. Im April wurde Karl-Heinz für die Schweißarbeiten zerlegt. Insbesondere die Schweller und die A-Säule mussten instand gesetzt werden.
Im Mai 2026 folgte die Lackierung.
Daneben wurden verschiedene technische Arbeiten durchgeführt, darunter die Überholung der vorderen Federbeine und Arbeiten am Kühlsystem.
Die gesamte Restrauration ist hier nachzulesen: Restaurationsdokumentation
August 2026: Zurück auf der Straße
Nach den zahlreichen Arbeiten bestand Karl-Heinz seine Hauptuntersuchung.
Am 14. August 2026 war es dann endlich so weit: Er wurde wieder zugelassen.
Nur zwei Tage später, am 16. August, führte uns eine der ersten Ausfahrten nach Uedem und Bocholt.
Nach all der Zeit, den technischen Arbeiten und der Beschäftigung mit seiner Geschichte war das ein ganz besonderer Moment.
Karl-Heinz war wieder dort, wo ein Audi 100 hingehört: auf der Straße.

Ein Oldtimer mit dokumentierter Geschichte
Was Karl-Heinz für mich besonders macht, ist nicht allein sein Alter oder seine klassische Form.
Es ist die Möglichkeit, seine Geschichte über viele Jahrzehnte hinweg anhand originaler Dokumente nachzuvollziehen.
Die erhaltenen Fahrzeugbriefe dokumentieren seine Halter- und Zulassungsgeschichte. Historische TÜV-Unterlagen belegen zahlreiche Stationen seines Fahrzeuglebens. Das Audi-Schreiben von 1972 dokumentiert die Möglichkeit zur Erhöhung seiner Anhängelast.
Und durch die Auskunft von Audi Tradition weiss ich heute auch, das er immernoch im Originalzustand ist.
Die originalen Verkaufsunterlagen von 1968 ergänzen dieses Bild und ermöglichen einen direkten Vergleich mit dem damaligen Ausstattungsangebot.
Karl-Heinz ist für mich deshalb mehr als nur ein schöner Oldtimer. Er ist ein Stück Automobilgeschichte, dessen Vergangenheit ich weiter erforschen und dokumentieren möchten.
Und natürlich soll er auch weiterhin fahren.
Denn dafür wurde er schließlich gebaut.

Historische Quellen und Fahrzeugunterlagen
Die Angaben zur Fahrzeuggeschichte beruhen auf den vollständig erhaltenen historischen Fahrzeugbriefen, Zulassungsunterlagen, TÜV-Berichten und weiteren Originaldokumenten.
Für die Dokumentation der Originalausstattung wurden außerdem folgende Quellen herangezogen:
Audi Tradition / Unternehmensarchiv: Fahrzeugbezogene Auskunft zur originalen Auslieferungsfarbe und Innenausstattung.
Audi 100 Programm-Information: Drucknummer 0652 028 00 00 000, Druckstand Oktober 1968.
Audi 100 Preisliste: Drucknummer 0652 104 00 00 000, Druckstand Oktober 1968.
Audi 100 Farb- und Polsterkarte: Drucknummer 0652 205 00 00 000.
Audi-Schreiben von 1972: Freigabe zur Erhöhung der gebremsten Anhängelast von 965 kg auf 1.100 kg.
Die historischen Originalunterlagen befinden sich in unserer eigenen Sammlung.
Eine ausführliche, chronologische Übersicht der Fahrzeuggeschichte findet sich auf unserer separaten Seite „Historie von Karl-Heinz“.