100 LS – Zulassung und die ersten Tage

Zulassung

10.08.2026

Im Vorfeld hatte ich bereits mit der Zulassungsstelle und meiner Versicherung geklärt, wie man Karl-Heinz nach so langer Standzeit möglichst sinnvoll wieder auf die Straße bekommt. Denn ein frisch restauriertes Auto, das neun Jahre praktisch nicht gefahren wurde, sollte vielleicht nicht nur auf dem Weg zur HU seine allerersten Meter machen.

Die Lösung waren Kurzzeitkennzeichen. Die Zulassungsstelle bestätigte mir, dass damit auch ohne gültige HU die direkte Fahrt zur Prüfstelle möglich ist, und von meiner Versicherung bekam ich problemlos die passende eVB-Nummer für die Fünf-Tages-Kennzeichen.

Also stand ich am Montagmorgen um 7:30 Uhr vor der Zulassungsstelle – zum Glück noch in einer überschaubaren Schlange.

Ganz so schnell wie gedacht ging es dann allerdings nicht. Karl-Heinz ist inzwischen seit neun Jahren abgemeldet, und nach sieben Jahren verschwinden die Fahrzeugdaten offenbar aus dem System. Damit durfte der Mitarbeiter sämtliche Daten aus den alten Papieren wieder von Hand erfassen.

Irgendwann war aber auch das geschafft, die Kennzeichen konnten geprägt werden und bekamen ihre Siegel.

Damit durfte Karl-Heinz nach neun Jahren ganz offiziell wieder auf die Straße.

Nach einem kurzen Zwischenstopp zu Hause ging es Richtung Prüfstelle. Ganz direkt natürlich nicht. Ein kleiner Umweg musste schon sein, damit Motor und Getriebe einmal richtig warm werden und vor allem die frisch überholten Bremsen ein wenig arbeiten können.

Und da war er dann plötzlich, dieser Moment: einfach mit Karl-Heinz über die Straße fahren.

Es ist schwer zu beschreiben, aber der Audi gleitet tatsächlich wie eine Sänfte. Von allen Autos, die wir haben, ist er bisher mit Abstand das komfortabelste. Alles passiert völlig unaufgeregt, weich und entspannt – genau so, wie man sich das bei so einem alten Audi irgendwie vorstellt.

An der Prüfstelle angekommen stieg meine eigene Unruhe allerdings deutlich an.

Wie sehen die Abgaswerte aus? Was machen die Bremsen auf dem Prüfstand? Schließlich habe ich die komplette Bremsanlage nach bestem Wissen und Gewissen überholt – aber ob die Arbeit wirklich funktioniert, zeigt am Ende eben erst der Prüfstand.

Und was soll ich sagen?
Vorne standen 220 und 210 daN auf der Anzeige, hinten 140 und 150 daN. Die Handbremse brachte 120 und 115 daN.
Der Prüfer war mehr als zufrieden.
Und ich ehrlich gesagt ziemlich erleichtert.
Danach folgte noch der Abgastest. Bei einem Auto dieses Alters wird lediglich der CO-Wert gemessen – und der war zunächst deutlich zu hoch. Karl-Heinz lief also viel zu fett.
Mit etwas Nachjustieren an Leerlauf- und Gemischschraube ließ sich das aber direkt vor Ort in den Griff bekommen.
Und dann stand es tatsächlich auf dem Prüfbericht:
HU bestanden – ohne Mängel.
Nach all den Arbeiten der vergangenen Monate darf Karl-Heinz damit jetzt endlich wieder ganz offiziell auf die Straße.

In ein paar Tagen folgt dann noch die „richtige“ Zulassung auf sein endgültiges Kennzeichen:

DIN-C 10 H

Damit werde ich Halter Nummer vier in inzwischen 56 Jahren Karl-Heinz.

Bis dahin darf jetzt aber erst einmal gefahren werden.

Die erste Probefahrt

Das Wetter passte, die Zeit ebenfalls – also bekam Karl-Heinz am selben Tag auch gleich seine erste richtige Probefahrt mit mir am Steuer.

Ziel war mein Elternhaus in Essen.

Der Hund durfte die Rückbank testen und ich habe Karl-Heinz zum ersten Mal auf die Autobahn gebracht.

Und tatsächlich: Er läuft wie ein Uhrwerk. Das Getriebe macht genau das, was es soll, der Motor läuft sauber und insgesamt fährt sich das Auto bemerkenswert unaufgeregt. Hier und da fehlt vielleicht noch etwas Fett und natürlich wird es noch die eine oder andere Kleinigkeit geben – aber für ein 56 Jahre altes Auto nach neun Jahren Stillstand ist das schon ziemlich beeindruckend.

Kurz vor dem Ziel gab es dann allerdings doch einen Punkt, der meine Aufmerksamkeit verlangt hat: Die Kühlwassertemperatur stieg merklich in Richtung des roten Bereichs.

Ganz egal ist das natürlich nicht, also gibt es auch hier noch etwas zu tun. Auf der Rückfahrt blieb die Temperatur allerdings deutlich unauffälliger, was die Sache zumindest etwas entspannt.

Dank der Unterstützung aus meinem Audi-Club stehen damit schon die nächsten Punkte auf der Liste:

  • prüfen, ob das richtige Thermostat verbaut ist – für den Audi gibt es offenbar Sommer- und Winterthermostate,
  • das Kühlwasser komplett erneuern, denn das dürfte inzwischen mindestens neun Jahre alt sein,
  • den Spannungsregler überprüfen – ein Bauteil, von dessen Existenz ich bislang ehrlich gesagt noch nicht einmal wusste,
  • und den Kilometerzähler reparieren, denn der hat beschlossen, seinen Dienst vorerst einzustellen.

Und vermutlich werden noch viele weitere Kleinigkeiten dazukommen.

Aber das Entscheidende nach dieser ersten richtigen Fahrt ist etwas anderes:

Karl-Heinz läuft zuverlässig – und fährt einfach unfassbar komfortabel.

11.08.2026

Kühlwasser und Öl

Heute ging es erst einmal an das Kühlsystem.

Also Kühlwasser abgelassen und angefangen zu spülen. Viel Frostschutz war offenbar nicht mehr vorhanden, dafür kam allerdings etwas Rost mit heraus. Entsprechend wurde nicht nur einmal gespült, sondern gleich drei- bis viermal – und zwar in alle Richtungen, damit möglichst viel von dem alten Zeug aus dem System verschwindet.

An das Thermostat selbst habe ich mich allerdings noch nicht herangetraut.

Der Grund ist relativ einfach: Die Schrauben sitzen im Aluminiumgehäuse, und Stahlschrauben in Alu sind nach mehreren Jahrzehnten eben so eine Sache. Am Schlachtermotor wollte ich vorher testweise einmal schauen, wie gut sich die Schrauben dort lösen lassen. Angeblich ganz leicht.

Nun ja.

Die erste Schraube war direkt ab – und dabei hatte ich noch nicht einmal wirklich Kraft aufgewendet.

Also bleibt das Thermostat erst einmal da, wo es ist. Bevor ich dort etwas anfasse, möchte ich sämtliche Dichtungen griffbereit haben und außerdem das Gehäuse vom Schlachtermotor geöffnet sowie die abgerissene Schraube dort vernünftig ausgebohrt haben. Dann weiß ich wenigstens, was im Zweifel auf mich zukommt.

Also fürs Erste: neues Prestone ins Kühlsystem.

Anschließend habe ich den Motor warm laufen lassen. Der Kühler blieb zunächst offen, und ich habe gewartet, bis das Thermostat öffnet. Als es anfing zu blubbern, kam der Deckel drauf.

Danach durfte Karl-Heinz erst einmal etwas abkühlen.

Weil ich ohnehin schon dabei war, habe ich anschließend noch geschaut, ob sich der Ölfilter von Hand lösen lässt. Tat er. Also wurde kurzerhand auch noch das Öl gewechselt.

Das 10W-60 war gerade einmal rund 80 Kilometer im Motor – trotzdem kam es bereits pechschwarz wieder heraus. Dazu gesellte sich noch etwas Ölglibber, was nach der langen Standzeit nicht unbedingt überrascht.

Nach etwa 1.000 Kilometern bekommt Karl-Heinz deshalb sicherheitshalber noch einmal einen weiteren Ölwechsel. Dann sollte hoffentlich auch der letzte alte Schmodder nach und nach aus dem Motor verschwunden sein.

Zum Abschluss gab es noch ein kleines Detail fürs Auge: Der Kunststoff-Nachbau des Öleinfüllverschlusses durfte gehen. Stattdessen kam der originale Verschluss vom Schlachtermotor hinein.

Technisch macht das vermutlich keinen Unterschied.

Sieht aber einfach deutlich besser aus.

Die nächsten Tage gibt es dann wieder eine Runde auf der Straße. Mal sehen, wie sich Kühlwasser und Temperatur nach der Spülaktion verhalten.

14.08.2026

Die Temperatur ist inzwischen beherrschbar. Oder im Rahmen. Es scheint ein Sommerthermostat eingebaut zu sein. Bei 36 Grad draussen und 40 Min Landstrasse mit Ampeln und Stop&Go bleibt die Temperatur unter 93 Grad, gemessen im Kühler.

Finale Zulassung

Manchmal braucht es nur zwei Bilder, um eine ganze Geschichte zu erzählen.

Das erste entstand als Karl-Heinz grade vom Trailer runter war.

Karl-Heinz stand vor der Garage und ich saß davor. Einfach da, habe ihn angeschaut und vermutlich darüber nachgedacht, was ich mir da eigentlich wieder angelacht hatte.

Heute wollte ich dieses Foto noch einmal machen.

Gleicher Platz.
Gleiche Garage.
Wieder Karl-Heinz.
Und ich wieder davor.

Nur dazwischen liegen ziemlich viele Stunden Arbeit.

Und genau deshalb gehören diese beiden Bilder für mich zusammen.

Aus „irgendwann mal“ wurde ein Auto

Als ich den Audi gekauft habe, war ziemlich schnell klar, dass das keine Geschichte von ein bisschen Putzen, Ölwechsel und ab zur Hauptuntersuchung werden würde. Aus einer überschaubaren Liste wurden neue Listen. Aus „das mache ich eben noch“ wurden Abende, Wochenenden und irgendwann Monate und am Ende fast eineinhalb Jahre.

Es wurde zerlegt, gesucht, bestellt, repariert, geschliffen, lackiert, wieder zusammengebaut und gelegentlich auch wieder auseinandergebaut.

Es gab Rost, alte Schrauben, neue Schrauben, Teile, die nicht passen wollten, Dinge, die überraschend gut funktionierten und natürlich die obligatorischen Arbeiten, bei denen man sich irgendwann fragt, warum man damit überhaupt angefangen hat.

Aber Stück für Stück kam er zurück.

Nicht als perfektes, auf Hochglanz restauriertes Museumsstück.
Das sollte er auch nie werden. Er sollte wieder Karl-Heinz werden.

Ein Audi 100 LS von 1970, dem man sein Alter ansehen darf – aber eben auch, dass sich jemand um ihn gekümmert hat.

Derselbe Blick – nur ein paar Monate später

Beim zweiten Foto musste ich deshalb gar nicht lange überlegen, wie es aussehen sollte.
Ich wollte genau dieses Bild noch einmal.

Denn beim ersten Mal stand vor mir ein Auto, bei dem noch ziemlich viele Fragezeichen im Raum standen.

Heute steht dort ein Oldtimer.

Fahrbereit.
Zugelassen.
Mit frischer HU.
Und bereit für das, wofür Autos eigentlich gebaut wurden:

zum Fahren.

Wenn man beide Bilder nebeneinander sieht, fällt natürlich zuerst der Audi auf.
Mir fällt aber noch etwas anderes auf.
Beim ersten Bild schaue ich auf ein Projekt.
Beim zweiten schaue ich auf ein Auto, dessen Geschichte jetzt weitergehen kann.

Und das ist wahrscheinlich der größte Unterschied.

Restaurierung beendet.

Ich glaube, irgendwo muss man bei solchen Projekten einen Strich ziehen.

Natürlich werde ich noch dieses verbessern. Jenes austauschen. Dort noch einmal nacharbeiten. Und garantiert wird Karl-Heinz auch in Zukunft dafür sorgen, dass mir die Arbeit nicht ausgeht.

Er ist schließlich 56 Jahre alt.

Aber das gehört ab jetzt in eine andere Kategorie.

Die Arbeiten, die nötig waren, um aus dem Audi wieder einen vernünftigen, fahrenden und zugelassenen Oldtimer zu machen, sind erledigt.

Deshalb endet an dieser Stelle für mich ganz offiziell die Restaurierung von Karl-Heinz.

Nicht die Geschichte. – Ganz im Gegenteil.

Ab jetzt: Oldtimerbetrieb

Von nun an geht es nicht mehr darum, Karl-Heinz fertigzubekommen.

Jetzt geht es darum, ihn zu benutzen und zu pflegen.

Ausfahrten. Treffen. Kleine und große Touren. Vielleicht irgendwann der Wohnwagen hinten dran. Und ziemlich sicher auch die eine oder andere Reparatur am Straßenrand oder irgendein Geräusch, bei dem man sich fragt:

War das gerade schon vorher da?

Also eigentlich genau das, was Oldtimer fahren ausmacht.

Diese Seite wird deshalb natürlich weitergehen.

Nur das Kapitel ändert sich.

Aus der Restaurationsdokumentation wird ab heute ein Fahrtenbuch über das Leben mit einem Audi 100 LS von 1970.

Und bevor dieses neue Kapitel beginnt, musste ich mich noch einmal genau dort hinsetzen, wo alles angefangen hat.

Vor Karl-Heinz.

Und ihn einfach ein bisschen anschauen.

Fertig.

Zumindest so fertig, wie ein Oldtimer eben jemals fertig wird.