100 LS – Die Restauration

Stossdämpfer

15.02.2026

Im Jahr 2026 ging es dann Stück für Stück weiter. Nicht spektakulär, aber genau so, wie solche Projekte eben wirklich vorankommen: Federbeine entrosten, konservieren, lackieren. Chrom retten, von dem man vorher gedacht hätte, er sei längst verloren. Stoßstangen aufarbeiten, Befestigungsmaterial überholen, Teile einlagern, Schürzen lackieren, wieder Chrom polieren. Das sind Arbeiten, die auf Fotos oft unscheinbar wirken. Aber genau dort steckt die Zeit. Und auch die Zuneigung. Man verbringt Stunden mit Dingen, die später vielleicht kaum jemand bemerkt – und macht es trotzdem, weil man weiß, dass es genau darauf ankommt.

Stosstangen und Schürze

15.03.2026

Weiter geht es – zwar langsam, aber es geht weiter. Und manchmal sind es genau diese Abschnitte, in denen nach außen nicht spektakulär viel passiert, die am Ende trotzdem dafür sorgen, dass das Projekt Stück für Stück vorankommt.

Die Stoßstangen haben inzwischen ihr überarbeitetes Befestigungsmaterial bekommen und sind nun gut verpackt eingelagert. Auch die Schürze ist lackiert, der Grill ebenfalls – wobei der nur als Ersatz dienen wird. Und daneben hieß es mal wieder: meterweise Chrom putzen, aufbereiten und retten, was sich noch retten lässt.

Bei der Schürze liefen die Arbeitsschritte diesmal ganz klassisch der Reihe nach ab. Erst wurde sie entrostet und gründlich vom alten Dreck befreit. Danach folgten Grundierung und Filler, bevor schließlich in L96D lackiert wurde. Zum Abschluss kamen noch zwei Schichten Klarlack darüber.

Es sind genau solche Arbeiten, die auf Bildern oft recht unscheinbar wirken, in Wirklichkeit aber jedes Mal etliche Stunden kosten. Aber genau daraus besteht so ein Projekt eben auch: aus vielen einzelnen Schritten, die am Ende dafür sorgen, dass aus einem Haufen Teile langsam wieder ein Auto wird.

Schweller

30.03.2026

Ein größeres Kapitel wurde der rechte Schweller. Ein Vorbesitzer hatte den gesamten Unterboden offenbar „gut gemeint“ mit Unterbodenschutz versehen und dabei gleich die Abläufe des Schwellers verschlossen. Das Ergebnis war vorhersehbar: Wasser blieb drin, und das Blech ging über die Jahre kaputt. Immerhin blieb die Aufnahme der Hinterachse intakt, und damit war klar, dass sich die Arbeit lohnt. Also wurde entrostet, konserviert, angepasst, nachgebaut, geschweißt. Innen kam schon Oxyblock hinein, später soll Owatrol drauf, und wenn alles wieder geschlossen ist, wird mit Fluid Film konserviert. So etwas ist keine schnelle Reparatur. Es ist eher eine Art Versprechen an das Auto, dass es diesmal vernünftig gemacht wird.

Auch an anderer Stelle bestätigte sich immer wieder, dass die Substanz dieses Audi besser ist, als man es zunächst vermuten würde. Die Heckscheibe ließ sich gut ausbauen, der Rahmen präsentierte sich in bemerkenswert gutem Zustand, und selbst hinten waren Kontakte, Dichtungen und Blech erfreulich gesund. Natürlich gab es auch die kleinen Demütigungen des Schrauberalltags – etwa eine Kennzeichenbeleuchtung, die nach dem Lösen der Schrauben in ihre Einzelteile zerfiel und erst mit 2K-Kleber wieder zusammenfand. Aber genau das ist die Wahrheit solcher Projekte: Fortschritt besteht selten aus großen Heldentaten, sondern meist aus vielen kleinen, geduldigen Reparaturen.

Und genau darin liegt für mich wahrscheinlich der eigentliche Kern dieses Projekts. „Karl-Heinz“ wird nicht in einer großen, glatten Heldengeschichte zurückkommen. Sondern so, wie alte Autos eben zurückkommen: mit öligen Händen, langen Abenden, kleinen Rückschlägen, improvisierten Lösungen und diesen Momenten, in denen man plötzlich grinsen muss, obwohl gerade alles voller Dreck liegt. Er wächst langsam wieder zusammen. Nicht perfekt, nicht schnell, aber ehrlich. Und vielleicht ist es genau das, was mich an diesem Audi so festhält: dass ich ihn nicht einfach nur repariere, sondern ihm Stück für Stück wieder etwas zurückgebe – Bewegung, Würde und irgendwann hoffentlich wieder Straße unter den Rädern.

07.04.2026

Der neue Schweller wollte allerdings nicht auf Anhieb so, wie ich wollte. Ganz richtig gekantet war das Blech nicht, also ging es erst einmal zum Kantbetrieb hier in der Stadt. Dort habe ich den Schweller noch einmal um 20 Grad weiter kanten lassen. Danach passte er dann endlich so, wie er sollte.

Im nächsten Schritt habe ich mit der Lochzange insgesamt 161 Löcher für die Schweißpunkte gestanzt. Danach ging es ans Punktschweißen. Oben wurde der Schweller Stück für Stück angepunktet, anschließend unten immer weiter angepasst, bis er auch dort sauber abschloss. An ein paar Stellen war noch etwas Nacharbeit nötig, aber am Ende saß alles so, wie es sein sollte.

Nach etwa einer Stunde waren dann alle Punkte verschweißt und später wieder plan geschliffen. Die Löcher für die Halterungen der Zierleiste mit dem Dremel wiederhergestellt.

Als Nächstes steht nun das Verzinnen der Schweißnaht an, um Korrosion vorzubeugen und die letzten kleinen Löcher zu schließen. Wie genau das funktioniert, werde ich dann sehen – gemacht habe ich das bisher noch nie. Aber genau solche Dinge gehören bei so einem Projekt eben auch dazu, und gerade diese Herausforderungen nehme ich immer wieder gern an.

Heckleuchten

08.04.2026

Kleine Arbeit, große Wirkung.

Die originale Bosch-Nebenschlussleuchte, die bei meinem Modell offenbar serienmäßig verbaut war, habe ich etwas aufgearbeitet. Erst gründlich gereinigt, dann mit Chromputz überarbeitet – und am Ende sieht das Teil nach 55 Jahren tatsächlich wieder fast wie neu aus.

Das Gleiche habe ich auch mit den Rückleuchten gemacht. Die wurden zunächst mit warmem Wasser und Seifenlauge sorgfältig gereinigt, anschließend durfte auch hier der Chrom wieder etwas Aufmerksamkeit bekommen. Danach habe ich alles sicher verpackt und bis zum Wiedereinbau eingelagert.

Schweller Teil 2

Das Verzinnen war dann allerdings eher ein Schuss in den Ofen. Die frisch gekaufte Lötlampe wollte nicht so funktionieren, wie ich mir das vorgestellt hatte, und beim Versuch, das Flussmittel aufzutragen, habe ich am Ende mehr Lack verbrannt als nötig gewesen wäre. Dazu kam dann irgendwann auch der Gedanke, dass ich keine große Lust habe, versehentlich das halbe Auto abzufackeln.

Also doch wieder zurück zur bewährten Methode: Die Schweißnähte wurden sauber konserviert und anschließend mit 2K-Epoxy-Grundierfüller porentief verschlossen.

Auch die Schwellerspitze wurde noch neu aufgebaut. Die habe ich aus einem Stück Blech geformt, eingeschweißt und danach glatt geschliffen. Bei einer früheren „Reparatur“ war dieser Bereich schlicht mit GFK überdeckt worden. Jetzt ist an der Stelle wieder ordentlich Blech, so wie es sein soll. Hinten habe ich das Ende vom Schweller passend umgelegt und verschweisst.

Nach der Grundierung sieht der Schweller jetzt jedenfalls schon beinahe fertig aus.

Türen

14.04.2025

Für die Lackierung ging es nun an die Zerlegung der Türen. Eigentlich sollten nur die Zierleisten herunter, in der Praxis war das aber wieder so eine Arbeit, die deutlich harmloser klingt, als sie am Ende ist. Erst mussten die Führungsgummis in der oberen Ecke zum Dreiecksfenster hin etwas herausgebogen werden, dann die kleine Schraube an der senkrechten Führungsleiste oben raus. Danach kamen Griff, Fensterkurbel und Türöffner ab, die Türpappe wurde entfernt und die Führungsleiste oben und unten losgeschraubt. Mit herunter gedrehter Scheibe ließ sich die Führung schließlich nach innen heraus kippen und heraus ziehen, das Dreiecksfenster ausbauen und anschließend auch die inneren und äußeren Schachtleisten nach oben heraushebeln. Danach konnte die Scheibe vorsichtig aus dem Fensterheber herausgeschoben und aus der Tür genommen werden. Mit dem richtigen Werkzeug ließen sich am Ende dann auch die äußeren Chromleisten überzeugen. Klingt alles recht sachlich, ist aber mal wieder genau so eine Arbeit, bei der man Schritt für Schritt vorgehen muss, damit hinterher nichts verbogen, verkratzt oder unnötig zerstört ist. Der Zusammenbau erfolgt dann später wieder in umgekehrter Reihenfolge.

Bremsen hinten

Auch bei den Bremszylindern ging es endlich weiter. Die wurden zerlegt, die Kolben ausgebaut, gereinigt, geschliffen und von Kanten sowie Ablagerungen befreit. Danach kamen neue Dichtungen hinein und alles wurde wieder zusammengesetzt. Die alten Schlitzschrauben habe ich dabei direkt gegen Sechskantschrauben ersetzt. Weil die alten Bremsbeläge brüchig und aufgequollen waren, kamen auch dort neue. Der Einbau der unteren Spannfeder funktionierte mit der Karosseriezange erfreulich gut. Nach dem Zusammenbau klemmte die Bremstrommel zunächst trotzdem fest – Ursache waren verbackenne Reste der alten Beläge in der Trommel durch die 8 Jahre Standzeit. Nachdem die mit 600er Schleifpapier entfernt waren, passte alles wieder, und das Rad drehte frei. Die Zentralmutter wurde anschließend handfest angezogen und dann wieder leicht gelöst, damit das Radlagerspiel (0.02mm) sauber eingestellt ist. Mit der Fühlerlehre geht das Ganze dann deutlich entspannter.

Bodenblech

16.04.2026

Unter der Dämmung kam dann allerdings doch noch eine unschöne Stelle zum Vorschein. Also erst einmal alles raus, das rostige Elend freigelegt und gründlich mit der Messingbürste bearbeitet. Danach ging es mit Pelox weiter, anschließend wurde wieder gespült, erneut geschrubbt und zum Schluss Owatrol aufgetragen. Später kommt die Dämmung dann wieder hinein.

Immerhin blieb es bei dieser einen Problemstelle im Bodenblech. Der Rest zeigt sich unter der Dämmung erfreulich gut und ist quasi wie neu. Und genau das sind dann die Momente, in denen nach dem ersten Schrecken auch gleich wieder etwas Erleichterung da ist.

Batterieträger

18.04.2026

Auch an dieser Stelle ging es wieder ein Stück weiter. Der Batterieträger und die zuvor gereinigten Stopfen konnten wieder eingebaut werden.

Den Batterieträger habe ich nach dem Einschweißen noch mit Brantho Korrux 3in1 behandelt. Damit ist der Bereich jetzt nicht nur wieder an Ort und Stelle, sondern auch gleich ordentlich geschützt.

Innenkotflügel

20.04.2026

Am Innenkotflügel standen nun die letzten Blecharbeiten an. Genau an dieser Stelle treffen Rahmen und Innenkotflügel aufeinander, die Bleche überlappen sich dort. Durch die alte Dichtpaste, mit der der Kotflügel seinerzeit eingesetzt worden war, hat sich über die Jahre wohl ein dauerhaft feuchter Bereich gebildet. Die Kapillarwirkung hat ihren Teil dazu beigetragen, und am Ende hielt das Ganze im Grunde fast nur noch an den Schweißpunkten. Der Rest war mehr Blätterteig als Blech.

Also blieb nur, den ganzen gammeligen Bereich konsequent herauszutrennen und Stück für Stück wieder neu aufzubauen. Solche Arbeiten sind zwar alles andere als spektakulär, aber genau da entscheidet sich am Ende, ob es ordentlich wird oder eben nicht. Und mit dieser Stelle sind die Schweißarbeiten jetzt tatsächlich abgeschlossen – wieder ein richtiger Meilenstein auf dem Weg, „Karl-Heinz“ Schritt für Schritt zurückzubringen.

Hier geht es weiter:

Lackierung